Konzeption

Lernen, um aktiv leben zu können

Sandplatz 2
Foto: R. Hildebrandt

Diese Aussage beinhaltet im Prinzip unsere gesamte pädagogische Zielvorstellung.
Wir wollen, dass unsere Kinder
- sich zu aktiven, selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln,
- nach dem Kindertagesstättenbesuch schulfähig sind,
- eine differenzierte Sozial-, Sprach- und sensomotorische Kompetenz entwickeln,
- zur tonischen Ausgeglichenheit finden und Regulationsmöglichkeiten hierfür ausbilden.

Im Grunde haben sich die erwünschten Entwicklungsziele in den letzten Jahren nicht verändert. Anders ist die Differenziertheit, die neue Qualität durch mehr Bewusstheit der Entwicklungsmöglichkeiten und der Weg, um diese Ziele zu erreichen.
Wir wissen, dass Kinder Handlungs-, Bewegungs- und Spielerfahrungen machen müssen, um ihr Leben aktiv gestalten zu können. Die notwendige Kreativität und Phantasie entwickelt sich jedoch nur, wenn der Raum hierfür gegeben ist und die emotionale Befindlichkeit der Kinder sich in einer positiven Balance befindet. Das bedeutet, die Kinder müssen sich wohl fühlen, um Freude am Lernen zu finden. Der innere Antrieb, Neues erfahren zu wollen und verstehen zu lernen, ist jedem Kind gegeben. Wir haben im Kindergarten die Aufgabe, zu motivieren und Neugier zu wecken.

 Hierbei besteht die Aufgabe, zu einer Ausgewogenheit zu kommen, nämlich vielfältige Erfahrungen zu ermöglichen und herausfordernde Angebote zu schaffen, ohne dabei zu über- oder zu unterfordern und zugleich die richtige Art der Vermittlung und der Lernform zu finden und zu wählen.

Zudem kommen die Kinder in eine altersgemischte Gruppe, erleben Mädchen und Jungen, die alle eine andere Sozialisation und unterschiedliche kognitive Fähigkeiten mitbringen. Das ist am Beginn des Kindergartenjahres in der Regel mit Belastungen verbunden und zugleich doch bereichernd für die Kinder, weil sie voneinander lernen können.

Lebendiges Lernen im Elementarbereich

Krippe
Foto: R. Hildebrandt


Lernen soll in unserer Kindertagesstätte Spaß machen und sinnvoll sein. Die Kinder im Elementarbereich machen kognitive Lernerfahrungen nicht über den "Kopf', sondern lernen durch aktive, differenzierte Handlungserfahrungen.
Unsere Angebote sollen einen realen Bezug zu der Erlebniswelt der Kinder herstellen. Nur wenn die Kinder Assoziationsmöglichkeiten haben, um bei neuen Lernerfahrungen einen entsprechenden Maßstab anlegen zu können, werden sie einen persönlichen Lernerfolg haben. Entscheidend ist die Art der Wissensvermittlung. Bisher bevorzugte man das mittelbare Lernen in unserer Einrichtung. Wir versuchen jetzt, das Übergewicht vom mittelbaren auf das unmittelbare Lernen zu verlagern. Dieses entspricht mehr der kindlichen Lernform im Elementarbereich und ist zugleich lebendiges Lernen.

 

Beispiel:

Die Kinder sollen begreifen, was ein Apfelbaum ist. Ich schaue mir mit den Kindern ein Bild, ein Dia oder ein Buch an, in dem ein Apfelbaum abgebildet ist. Das einzelne Kind ist nun, vorausgesetzt, es hat noch keine Erfahrungen mit diesen Bäumen gemacht, ganz von meiner Interpretation und Darstellung abhängig. Es muss meine Erklärung von Größe, Farbe, Geruch, Geschmack usw. mit seinen ihm vertrauten Handlungserfahrungen vergleichen und einordnen, es lernt mittelbar.
Für eine unmittelbare Lernerfahrung werden wir einen Obstgarten aufsuchen. Die Kinder werden hier schnell begreifen was ein Apfelbaum ist. Sie können sich unmittelbar ein Bild von Ihm machen über seine Höhe, besonders wenn sie hinauf klettern, von seiner Größe durch Umfassen und Herumlaufen, durch Wahrnehmen von Gerüchen, Früchten, Farben und Formen. Die Kinder können selbst ernten und die Reife der Früchte prüfen. Sie werden Insekten und andere Tiere, die den Baum bewohnen, entdecken, Vergleiche zu anderen Pflanzen aufstellen und noch vieles mehr.
Aus diesem unmittelbaren Lernen ergeben sich viele neue Anregungen und spannende Handlungserfahrungen. Ein mit offenen Augen und Ohren teilnehmender Erwachsener wird die Vielzahl der sich hier eröffnenden Möglichkeiten zu nutzen wissen.
Kinder brauchen viele unmittelbare Lernerfahrungen für ihre Handlungskompetenz und Sprachentwicklung. Wenn sie später in der Schule einen Aufsatz über einen Apfelbaum schreiben müssen, wird ihre Sprache wesentlich plastischer und bildhafter sein. Unmittelbares Lernen ist die beste Lernform für Kindergartenkinder. Je mehr sich die Kinder unsere Welt angeeignet haben, umso mehr sollten sie über mittelbares Lernen, z.B. über Medien ihre kognitiven Fähigkeiten weiter ausformen.

Freispiel

freies Spielen
Foto: R.Hildebrandt

Das freie Spiel nimmt den größten Raum im Kindertagesstättenalltag ein. Die Kinder haben alle Freiheiten, selbstständig über ihr Spiel und ihre Spielpartner zu entscheiden.
Auf den ersten Blick ist das für die Entfaltung der Kinder ideal. Wir müssen jedoch feststellen, dass viele Kinder gar nicht in der Lage sind, frei und phantasievoll zu spielen. Sie fühlen sich überfordert, als sie plötzlich eigeninitiativ agieren sollten. Diesen Kindern fehlt die Struktur, um aktiv werden zu können. Im Englischen gibt es für das Spiel zwei Begriffe: play und games. Game hat feste Regeln und Strukturen. Mit play ist ein völlig losgelöstes freies Spiel gemeint. Game ist die Voraussetzung, die Basis für das freie Spiel. Erst wenn die notwendigen Regeln und Strukturen beherrscht werden, gibt es Sicherheit und die Voraussetzung für freies Spiel, für play.

Beispiel:

Ich höre jemanden auf einer Gitarre wunderschöne Improvisationen spielen. Mein Wunsch, dieses auch zu versuchen, endet in fürchterlichen Misstönen. Enttäuscht werde ich das Instrument zur Seite legen. Mit fehlen die "Games", die Techniken des Gitarrespiels, die Harmonielehre und die grundsätzliche Umgehensweise mit diesem Instrument. Erst durch mühsames Erlernen und intensiver Übung werde ich die Fähigkeiten erlangen, nach meinen Intentionen zu spielen.
Kein Kind hat Anlagepotentiale, die ihm helfen, diese vielfältigen Strukturen von sich aus zu lernen. Es braucht dazu den Erwachsenen. Kinder zu einer Leistung herauszufordern und anzuleiten ist wichtig, denn Erfolgserlebnisse geben Ihnen das Gefühl, etwas Schwieriges geschafft zu haben. Es motiviert zum Weitermachen. Ein positives Selbstwertgefühl baut sich auf und die Kinder finden zu einem kreativen, phantasievollen und aktiven Freispiel.

Regeln

Regeln und Normen sind für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft unumgänglich, dürfen jedoch Kinder nicht zu sehr einengen. Sie brauchen diese Orientierung für ihre Entwicklung. Nur wie viele Regeln benötigt man in einer Kindergruppe? In unserer Kindertagesstätte gab es Unmengen von Verboten und Geboten, die die Kinder sich unmöglich alle merken oder verstehen konnten. Selbst wir Erwachsenen hatten unsere liebe Not damit, besonders, wenn es zu Regelüberschreitungen kam und wir angemessen reagieren sollten. So wurden alle Regeln auf ein Minimum reduziert. Nur die waren sinnvoll, die wir den Kindern mit einfachen, präzisen Worten erklären konnten. Aus Verboten wurden Abmachungen. Die Abmachungen beinhalten das, was zugelassen ist und gleichzeitig die Konsequenz für ein eventuelles Fehlverhalten. "Natürlich darfst du ... , doch wenn du ... , kennst du selbst die Folgen deines Verhaltens." Es ist oft nicht einfach angemessene, sinnvolle Konsequenzen zu finden. Die Abmachungen müssen intensiv mit den Kindern erarbeitet werden, damit sie sicher damit umgehen können. 

Religionspädagogik

Religion ist für uns ein wichtiges Element der pädagogischen Arbeit. Viele unserer Kinder haben kaum Lern- und Lebenserfahrung mit Religion machen können. Auch hier sollen die Kinder Spaß und Freude beim Entdecken von Religion haben. Die Vermittlung der Lerninhalte kann nicht anders sein als die oben beschriebene Form. Kinder müssen auch hier Assoziationsmöglichkeiten haben, um für sich etwas Sinnvolles erfahren zu können. Unser Ziel ist es, das die Kinder selbstverständlich mit Religion umgehen können und elementare Inhalte begreifen lernen

Elternarbeit

Gebäude von der Strasse
Foto: R. Hildebrandt

Eine kooperative und konstruktive Elternarbeit ist eine elementare Voraussetzung für eine positive sozialpädagogische Arbeit. Die meisten Kinder werden drei bis vier Stunden in unserer Kindertagesstätte pädagogisch betreut. Um mehr von den Kindern zu erfahren oder ihr Verhalten besser zu verstehen, brauchen wir den Austausch mit den Eltern. Diese haben wiederum ein Recht auf eine transparente Kindertagesstättenarbeit. Nicht nur zu den Kindern, auch zu den Eltern ist eine gute Beziehung notwendig, um so eine Basis für gemeinsames Handeln zum Wohle der Kinder zu bekommen. In unserer Einrichtung wird eine demokratische Elternmitbestimmung durch den Elternbeirat sichergestellt. Durch unsere Satzung hat dieses Gremium seit Ende der siebziger Jahre ein wirkliches Mitspracherecht erhalten. 

Raumkonzeption

Für die sinnvolle Umsetzung unserer pädagogischen Ziele ist es notwendig den Kindern entsprechenden Raum anzubieten. Einen herkömmlichen Gruppenraum mit Puppenecke, Bauecke, Maltischen, Frühstücksecke, usw., haben wir nur noch in unserer Außengruppe im Gemeindehaus. Für die anderen Kindergruppen haben wir uns für ein individuelles, offenes Raumkonzept entschieden. Die Kinder und Eltern haben weiterhin ihre Stammgruppe mit festen Ansprechpartnerinnen und individuellen Aktivitäten, wie Stuhlkreise, für die Klärungen der täglichen Probleme, Eltern-, Kindnachmittagen oder Elternabende.

Projektarbeit

Ein gewichtiger Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit ist die Wissensvermittlung in Projektwochen. Die Projekte sind grundsätzlich gruppenübergreifend und werden regelmäßig in Kleingruppen entsprechend dem Entwicklungsstand der Kinder durchgeführt. Analog zu unserem pädagogischen Konzept legen wir sehr viel Wert darauf, dass die Kinder in den unterschiedlichen Projekten eine ausgewogene Mischung aus Handlungs-, Bewegungs- und Spielerfahrungen machen können. Wir wollen lernmotivierte Kinder, die Freude am Lernen entwickeln.
Einige wenige Projektbeispiele sind Chemie oder Magie, Wald, Baufahrzeuge, wir lernen unseren Stadtteil kennen, erste Hilfe für Kinder, die Schöpfung, mit allen Sinnen, Insekten, Würzburger Trainingsprogramm, Kleidung früher und heute oder Wasser.