Kinderkrippe

Krabbelgruppenarbeit

Waschmöglichkeit
Foto: R. Hildebrandt

Grundsätzlich sind alle für die Kita aufgeführten pädagogischen Aussagen übertragbar, und doch gibt es in dieser frühkindlichen Phase Besonderheiten die zu berücksichtigen sind.

Beziehungen und Bindungen

Beziehungen sind nicht identisch mit Bindungen. Besonders in der frühkindlichen Entwicklungsphase der Kinder sind Mutter und Vater die wichtigsten Bindungspersonen. Die Beziehungen zur Erzieherin bleiben in der Regel nachrangig. Die bisherigen Untersuchungen belegen, dass die Eltern Hauptbindungspersonen bleiben.
Die Beziehung zur Erzieherin ist für das Kind von großer Wichtigkeit. Sie ist die Grundlage, damit sich die Kinder sicher und geborgen fühlen. Dieses emotionale Gleichgewicht ist für eine positive Entwicklung und das Lernen in der neuen Umgebung unumgänglich. 

Beziehungen und Beachtung

Unsere Aufgabe ist es, Entwicklungsprozesse der Kinder wahrzunehmen und zu begleiten. Dazu müssen wir jedes Kind individuell betrachten und aufmerksam sein für die spezifischen Bedürfnisse und pädagogischen Notwendigkeiten.
Wir verstehen die Beobachtung als Beachtung im Sinne von Achtung vor dem Kind.
1. Beachtung von Impulsen und Signalen, von besonderen Äußerungsformen, von persönlichen Grenzen und Befindlichkeiten des Kindes;
2. Beachtung seiner sich ständig verändernden Bedürfnisse und seiner Selbstwahrnehmung;
3. Beachtung seiner Suche nach Anerkennung und Resonanz, seiner Entwicklungsschritte, seiner Leistungen und wachsenden Kompetenzen.

Eingewöhnung

Die Eltern werden vor Beginn der Aufnahme über die Eingewöhnung informiert. Die Dauer ist individuell für jedes Kind anders. Während dieser Zeit findet ein offener Austausch über die Gewohnheiten des einzelnen Kindes zwischen Erzieherin und Eltern statt. Die Eingewöhnung in der Krabbelgruppe ist ein aktiver Anpassungs- und Lernprozess der Kinder, der durch ihre angeborene Bereitschaft, sich ihrer Umwelt aktiv zuzuwenden, gestützt wird. Ohne Elternteil jedoch, kann die Erkundungsbereitschaft des Kindes nicht aufrecht erhalten werden und offenes Bindungsverhalten verdrängt dann alle anderen Verhaltensmöglichkeiten.

Bei Anwesenheit von Mutter oder Vater fällt es dem Kind sehr viel leichter sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Es braucht keine Sorge zu haben, was geschieht, wenn es einmal mit neuen Eindrücken nicht fertig wird. Die Kinder lernen auf ihre Weise, abhängig vom Temperament und Vorerfahrung, die neue Umgebung am schnellsten kennen. Hierbei benutzen sie Mutter oder Vater als eine "sichere Basis", zu der sie sich zurück ziehen, wenn etwas Unerwartetes passiert oder sie aus anderen Gründen Unterstützung brauchen.

Das Kind macht sich aber nicht nur mit neuen Räumen vertraut, sondern auch mit der Erzieherin. Dies ist ein weiterer Prozess von besonderer Bedeutung für das Wohlergehen des Kindes. Es baut innerhalb kurzer Zeit eine zumindest bindungsähnliche Beziehung auf, so dass die Erzieherin nach einiger Zeit die Funktion der .sicheren Basis" für das Kind in der Krabbelgruppe übernehmen kann. Das Bindungsverhalten des Kindes läuft dann in Abwesenheit der Eltern nicht ins Leere, sondern wird von einer Erzieherin aufgefangen. Sie kann das Kind trösten und beruhigen, wenn es weint.

Erst wenn das Kind eine Beziehung in dieser Art aufgebaut hat, kann es auf die Anwesenheit von Mutter oder Vater verzichten. Wie lange das Kind bei der Eingewöhnung begleitet werden sollte, orientiert sich am Verhalten des Kindes.

In den ersten Tagen reicht es, wenn Mutter oder Vater eine bis zwei Stunden in der Kita sind. In dieser Zeit wird kein Trennungsversuch gemacht. Wir bitten die Eltern sich im Raum aufzuhalten und einfach da zu sein. Die Kollegin verhält sich abwartend, nimmt Blickkontakt zu dem Kind auf und versucht erst nach einiger Zeit durch kleine Spielangebote einen weiteren Kontakt zu dem Kind herzustellen.

Am zweiten und dritten Tag wird sie weiter ins Blickfeld des Kindes rücken, indem sie in Anwesenheit von Mutter oder Vater, das Kind füttert oder wickelt. Wichtig ist, dass wir Gelegenheit erhalten, diese dem Kind vertrauten Aktivitäten mit der neuen Umgebung der Kita in Verbindung zu bringen. Am vierten Tag schlagen wir den Eltern vor, für eine kurze Zeit den Gruppenraum, jedoch nicht die Einrichtung zu verlassen. Die Reaktion des Kindes auf den ersten Trennungsversuch enthält wichtige Anhaltspunkte für uns über die Dauer der Eingewöhnungszeit.

Es folgen weitere zunächst kurze Zeiten der Abwesenheit, mit Ausnahme eines Montages, von Mutter oder Vater. Im weiteren Verlauf wird die Zeit der Abwesenheit der Eltern länger. Die Eingewöhnungszeit ist abgeschlossen, wenn die Kollegin das Kind im Ernstfall, wenn Mutter oder Vater gegangen sind, trösten und beruhigen und es mit Spielangeboten ins Tagesgeschehen integrieren kann.

Ankommen

Die Zeit der Eingewöhnung ist besonders für die Kinder, aber auch für die Eltern von großer Belastung. Es ist deshalb notwendig, die Übergabephase so zu gestalten, dass die emotional angespannte Situation erträglich und harmonisch abläuft.

Um das Gefühl der Vertrautheit und der Zuneigung aufzubauen, sind zwei Fachkräfte ausschließlich für die Arbeit in der Krabbelgruppe zuständig.
Eine Kollegin nimmt die Kinder in Empfang während die zweite sich um die anderen Kinder kümmert.

Die Kinder bringen von zu Hause etwas Vertrautes mit, ein Kuscheitier, Schmusetuch oder anderes. Daneben finden sie in der Gruppe immer etwas Vertrautes vor, zum Beispiel einen Platz, den sie besonders mögen, oder ein Spielzeug, das sie besonders reizvoll finden.

Beim morgendlichen Bringen erfahren wir in kurzen Gesprächen mit Mutter oder Vater, wie das Kind geschlafen und gegessen hat und etwas über seinen Gesundheitszustand. Mit diesen Informationen können wir auf die Grundbedürfnisse der Kinder eingehen und ihnen Kontinuität und Stabilität vermitteln. 

Grundbedürfnisse

Um ein Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens aufzubauen, ist es wichtig, mit viel Zuneigung, Aufmerksamkeit und Wärme auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.

Ein Grundbedürfnis ist das Essen

Die Kinder nehmen ihr Essen in der Kindergemeinschaft in fröhlicher Runde ein. Essen und Trinken sollen lustbetont sein und kein Zwang. Jedes Kind kann entsprechend seiner Entwicklung selbstständig agieren. Z. B. die Tasse selbst halten oder den Löffel, vielleicht auch schon das Brot. Kleckern und Krümeln werden toleriert und jeder Erfolg gelobt.

Ein weiteres Bedürfnis ist der Ruherhythmus

Kleinst- und Kleinkinder benötigen individuell unterschiedlich viel Schlaf. Der Ruherhythmus des einzelnen Kindes wird beachtet. Um das Einschlafen oder ruhen zu erleichtern, ist es auch hier wichtig, einen vertrauten Gegenstand, z.B. ein Kuscheltier von zu Hause zu haben.

Die Hygiene ist ein drittes Grundbedürfnis

Bei der Körperpflege, besonders beim Wickeln ist Zeit und Aufmerksamkeit in ruhiger Atmosphäre wichtig. Durch eine liebevolle Körperpflege und sprachliche Zuwendung kann das Kind ein natürliches Verhältnis zu seinem Körper und dessen Funktionen entwickeln.
Das Kind soll lernen, die Pflege als etwas Angenehmes und Bedeutsames für sein eigenes Wohlbefinden anzusehen.
Spielen ist ein Grundbedürfnis und elementare Ausdrucksform
Im Spiel setzt sich das Kind aktiv mit seiner Umgebung auseinander. Es erprobt
spielerisch und auf vielfältige Art und Weise seine Geschicklichkeit, befriedigt seine Neugier und sammelt erste Erfahrungen und Eindrücke. Wir lassen der Selbstständigkeit der Kinder freien Raum und regen durch vielseitige Angebote und Spielmaterialien verschiedener Art zur Auseinandersetzung an.

Sozialer Kontakt zu anderen ist von großer Bedeutung

Mit zunehmender Selbstständigkeit nimmt das Interesse an sozialen Kontakten zu
anderen Kindern zu und wird vielfältiger und ausgeprägter. Die Kinder ahmen alles und
jeden nach, setzen sich in der Begegnung manchmal durch, bringen sich und andere zum Lachen und/oder zum weinen. Sie lernen rücksichtsvoll miteinander umzugehen und erfahren erste Richtwerte für ihr Verhalten. Wir geben den Kindern die Möglichkeit, ihre Konflikte selbst auszutragen, ohne sofort zu intervenieren. Wir beobachten die Situation und greifen, wenn es erforderlich ist, ein.

Bewegung, ein wichtiger Aspekt

Wir messen dem natürlichen Bewegungsdrang des Kindes große Bedeutung zu. Hier ist der Wirkungsbereich jedes Kindes geprägt von der eigenen Entwicklung und den körperlichen Fähigkeiten. Je besser und sicherer ein Kind laufen kann, desto aktiver ist die Teilnahme am Tagesgeschehen. Die Kinder erhalten Platz um ihren Bewegungsdrang zum Krabbeln, Toben, Laufen, Tanzen und Klettern nach zugehen. Im Gruppenraum, im Flur, in unserer Turnhalle und im Garten besteht die Möglichkeit dazu.

Erweiterung des Erfahrungsbereiches

Außenaktivitäten, wie Spaziergänge zu anliegenden Spielplätze, oder den nahegelegenen Bürgerpark geben den Kindern Gelegenheit, ihren Erfahrungsbereich zu erweitern und Neues zu entdecken.

Formen der pädagogischen Arbeit

Für die Kinder ist es wichtig ihnen Möglichkeiten zu geben, sich in Räumen und an Personen zu orientieren. Sie sind neugierig und stets darauf bedacht, ihren Aktionsradius zu erweitern. Während des Freispiels haben sie dazu ausreichend Gelegenheit, entweder in dem Gruppenraum oder im Garten. In den Freispielphasen können die Kinder Spielort, Spieldauer und Spielpartner nach eigenem Interesse wählen.
Mit gezielten Angeboten wie z.B. Turm bauen, Puzzlespiel, Kneten, Malen, Fingerspiele und vieles mehr wird die Feinmotorik unterstützt und mit Aktivitäten wie Turnen, Tanzen, Ballspielen u.a. die Grobmotorik gefördert. Wir geben den Kindern, falls erforderlich, Hilfestellung und loben sie um ihr Selbstbewusstsein zu fördern und zu stärken.

Pädagogische Ziele

Mit Kindern unter drei Jahren zu arbeiten bedeutet für uns:
- Schaffung einer angstfreien und vertrauensvollen Atmosphäre, damit die Kinder gerne zu uns kommen und sich wohl fühlen.
- Stärkung des Selbstvertrauens, in dem sie sich selbst kennen lernen und annehmen können.
- Weiterentwicklung der Selbstständigkeit, durch eigenverantwortliches Handeln und dem erlernen von lebenspraktischen Tätigkeiten.
- Einführung in sozial verantwortungsbewusstes Handeln, in dem die Kinder lernen, ihre Persönlichkeit in die Gruppe einzubringen und auf die Gefühle und Wünsche der anderen Rücksicht zu nehmen.
- Anregen von Phantasie und Kreativität. Durch ausprobieren von Zeit-, Raum- und Materialangebot können die Kinder eigene Ideen entwickeln und ausprobieren.
- Weiterentwicklung von Grob- und Feinmotorik. Die Kinder können durch Angebote und Aktivitäten ihr Bewegungsbedürfnis vielfältig ausleben.
- Unterstützung einer alters gemäßen Sprachentwicklung. Wir regen die Kinder zum freien Sprechen an und achten auf ihre altersgemäße Sprachentwicklung, gleichzeitig bringen sich die Kinder in gemeinsame Gespräche ein.
- Vermittlung von Wissen. Die Kinder erwerben altersgemäße Grundkenntnisse und lernen Zusammenhänge kennen.
- Förderung von Konzentrationsfähigkeit. Die Kinder lernen sich intensiv und ausdauernd zu beschäftigen.
- Entwicklung des Gesundheitsbewusstseins. Die Kinder lernen ihren Körper mit seinen Bedürfnissen kennen, durch gesunde Ernährung, Hygiene, später Toilettentraining.

Kooperation mit den Eltern

Damit die Kinder Vertrauen zu den neuen Beziehungspersonen entwickeln können, ist es unbedingt notwendig, dass sie erleben, dass sich Eltern und Erzieherinnen gut verstehen und eine gemeinsame Basis im Erziehungsprozess finden, die spürbar für das Kind wird. Dies gelingt in einer Atmosphäre von gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung, durch einen offenen Austausch über die Bedürfnisse und Fähigkeiten und über eventuelle Förderbedarfe des Kindes.

Die Eltern sind Kooperationspartner, die in besonderem Maße Beachtung finden.
Insbesondere während der Eingewöhnungszeit sind wir auf die Präsenz und Informationen der Eltern angewiesen und fördern und wünschen uns einen intensiven Austausch mit ihnen. Auf Wunsch der Eltern und in Absprache werden auch außerhalb der Eingewöhnung Hospitationen angeboten.

Einzelgespräche finden auf beiderseitigem Wunsch oder konkretem Anlass statt.

Elternabende werden zu bestimmten Themen durchgeführt und Tür- und Angelgespräche dienen dem aktuellen Informationsaustausch.